Wien. Wachau. Wald. Und schräge Vögel.

Es gibt Ideen, die wollen ans Licht. Sie brüten. Zunächst im Stillen, hocken in der Wärme des Noch-nicht-Gedachten und warten auf den Moment. Den Impuls, der entstehen lässt. Ein immer gleicher Prozess, der sich nicht bis ins kleinste Detail planen lässt. Warum denn auch. Wär ja schade drum.
 Denn dort, gleich da hinten im Gebüsch – sitzt die Freude. Das Außergewöhnliche. Das Verrückte. Das, womit man erst gar nicht gerechnet hätte. Aber genau das ist das Schöne daran. Die besten Dinge kommen nicht auf Bestellung. Sie hüpfen dich an. Von der Seite. Von hinten. Von irgendwo.
 So geschehen. Und auch genau so festgehalten.

 

Eine Idee ist nichts, wenn man nichts mit ihr tut. Das ist die eigentliche Art der Innovation – nicht der große Knall, nicht der Geniestreich, sondern das beharrliche Weiterdenken gegen den Strom. Denn meistens tun wir Dinge bloß auf eine bestimmte Art. Nur minimal anders. Und das nur, weil wir nicht über andere Möglichkeiten nachgedacht haben. Weil das Gewohnte so unglaublich vertraut ist. So bequem. So unsagbar langweilig. Kreativität aber, hat etwas mit disziplinierter Naivität zu tun. Mit der Lust, Dinge zu tun, die außerhalb der Komfortzone liegen. Mit der Fähigkeit, sich über sich selbst zu wundern. Die schrägen Vögel unter uns – die Querdenker, die Eigenbrötler, die freundlichen Störenfriede – sie wissen das instinktiv. Sie haben den Blick auf das, was auch noch sein könnte institutionalisiert.

 

 

Kreativität hat etwas mit disziplinierter Naivität zu tun. Mit der Lust, Dinge zu tun, die außerhalb der Komfortzone liegen. Mit der Fähigkeit, sich über sich selbst zu wundern.

Barbara Klein

 

Ja – und?

Wir müssen den Einfall zulassen, und erst dann darüber nachdenken. Nicht umgekehrt. Am Ende steht die Verwunderung im Raum. Sie ist gut. Denn die Mutter der Masse ist ein Ungetier. Sie frisst Eigensinn zum Frühstück und weichspült ihn mit allzu viel Konsens. Dagegen hilft nur eins: Eigensinn. Und ein bisschen Verrücktheit.
Doch kann man mit Verrückten vernünftig reden? Unbedingt. Aber wer mitreden will, muss sich erst einmal locker machen. Offenheit, echter Spaß, ist nämlich nur möglich, wenn sich beide Seiten nicht allzu ernst nehmen. Wenn Ironie und Selbstironie wieder zu Werten erklärt werden. Wenn der Nonkonformist am Tisch nicht als Problem gilt, sondern als Ressource.
Lockere Distanz zu dem, was man tut, ist großartig. Aus ihr entstehen unkontrollierte Wendungen. Unerwartete Abzweigungen. Zufälle, die keine sind. Oder vielleicht doch. Spielt das eine Rolle? Nein. Denn es kommt ohnehin anders, als man denkt. Soviel steht fest.

 

 

Die Mutter der Masse ist ein Ungetier. Sie frisst Eigensinn zum Frühstück und weichspült ihn mit allzu viel Konsens. Dagegen hilft nur eins: Eigensinn. Und ein bisschen Verrücktheit.


Barbara Klein

 

Vertrauen hilft.

Jürgen (the one and only) Schmücking und ich kennen uns seit vielen Jahren. Seit mehreren Jahrzehnten, wenn man so will. Da gibt es kein Aufwärmen, kein Aufeinandereinstellen, kein „Das geht doch nicht.“ Zwei mitunter schräge Vögel, die in dem Fall den Unterschied machen. Jäger, Rastlose, mit ausgeprägtem Hang zum Genießen. Und zum Schreiben. An diesem Feiertag im Mai haben wir fotografiert, haben auf alten Autoreifen, die den Winter im Schwimmbad verbracht haben, gebrütet, und ein Straußenei aus dem Keller geholt. Wir haben der Freiheit Raum gegeben. Das ist gut, denn sie ist launisch. Und sie kommt nicht von selbst auf die Welt. Sie gehört all jenen, die eingefahrene Muster verlassen. Die den Mut haben, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Dort wohnt das Lachen. Das Nonkonforme. Die Idee.
Und darüber hinaus die Zukunft.

Danke Jürgen für die Ausnahmen.
Und für die Regel.
Beides darf. Beides muss.

Fotografie: Jürgen Schmücking
Text: Barbara Klein